von Gudrun Trinker
Mabon - Herbsttagundnachtgleiche
Die Herbsttagundnachtgleiche, die wir zwischen dem 21. und 23. September begehen, ist wiederum ein Sonnenfest. Die Sonne zieht sich auf die Südhalbkugel zurück, die Nächte sind von nun an wieder länger als die Tage. Mit großen Schritten naht die Dunkelheit. Doch bevor sich die Natur komplett zurück zieht, bevor sie ihr Totenkleid überwirft, scheint sie noch einmal all ihre Schönheit über der Welt auszugießen.
Mabon, wie dieses Fest auch genannt wird, enthält zwei Aspekte, die wir beachten dürfen. Einerseits blicken wir voll Dankbarkeit auf den Sommer zurück, der unsere Früchte reifen ließ, die wir nun hoffentlich ernten dürfen, und andererseits hält die Welt wieder einmal den Atem an. Kurz hält sie inne, steht sie still, befindet sie sich im Gleichgewicht der Kräfte. Licht und Dunkelheit halten sich die Waage bevor wir tatsächlich in die zunehmende Dunkelheit hinein wandern. Zur Sommersonnenwende begann bereits der Umschwung. Noch nicht spürbar, aber dennoch unvermeidlich. Nun, wo der Abschied von der hellen Zeit unmittelbar bevorsteht, verteilt Mutter Natur großzügig ihre Früchte an Mensch und Tier. Der Rückzug beginnt und auch in der Tierwelt ist die Aufbruchstimmung unübersehbar. Kleinsäuger fressen sich die Bäuche voll, Zugvögel sammeln sich und jede noch warme Sonnenstunde wird ausgenutzt.
Die energetische Qualität des Herbstes ist vom Gleichgewicht der Kräfte bestimmt. "Wie außen so innen." Und so können wir wieder auch anlässlich dieses Festes unser Leben reflektieren. Gleichgewicht finden, annehmen und danken. Wie auch schon zur Frühjahrstagundnachtgleiche dürfen wir uns fragen, ob unser Leben im Gleichgewicht ist. Nur ein ausgeglichenes System kann Heil erfahren. Jeder wichtige Aspekt in unserem Leben, Beruf, Alltag, Freizeit, Liebe, Körper, Seele, Geist, Aktivität, Ruhe...braucht dieselbe Zuwendung. Alles ist in ständiger Bewegung, wodurch es zu Ungleichgewichten kommt, die immer wieder korrigiert werden. Ausgleich ist kein statischer Zustand. Stellen wir uns die Balance der Energien wie einen Fluss vor...ständig fließt Wasser ab und neues Wasser kommt hinzu. Der Fluss selbst aber ist in einem dynamischen Gleichgewicht.
Im Angesicht der Fülle des Herbstes, die nährt und erhält, ist Dank ebenfalls ein Akt des Ausgleichs. Wer dankt, nimmt wahr, dass die Gaben, von denen wir leben, nicht selbstverständlich sind. Ohne die Früchte von Mutter Erde, der Pflanzen, Tiere und Mitmenschen, wäre ein Leben für uns nicht möglich. Für unsere Nahrung opfert sich ein anderes Leben. Jemand hat sein Fleisch, seine Wurzeln, seine Samen, seine Liebe oder Zuwendung für uns gegeben, damit wir leben können. Denn auch ohne seelische Gaben könnten wir nicht existieren. Im Dank erkennen wir einander an, erkennen wir, dass wir alle voneinander abhängig sind und einander brauchen. Wir sind füreinander Begleiter auf unserem Weg. Unser Dank ist eine Gegengabe.