von Gudrun Trinker

Lughnasad

Wir sind im Jahreslauf in der Mitte des Sommers angekommen. Alles steht in absoluter Fülle und Reife. Die Zeit der Ernte naht. Die Sommersonnenwende liegt bereits etliche Wochen zurück und an manchen Tagen kann man bereits das Herannahen des Herbstes spüren, wenn auch noch die hochsommerliche Hitze und Sonnenschein ohne Ende unsere Tage erfreuen. Die Wende hat schon lange begonnen.

Wir haben zum Julfest unsere Lichtsamen gesät, die zu Imbolc ihre Köpfchen gen Licht gestreckt haben. Zu Ostara haben wir erstmals entschieden, welche Samen wir weiter hegen und pflegen wollen, damit sie wachsen und gedeihen können, um nun, nach vielen Monden vielleicht bald ernten zu dürfen. Freilich brauchen viele Samen im Leben mehr als nur einen Jahreslauf, um zu voller Reife zu gelangen, nichts desto trotz dürfen wir, bis es soweit ist, immer wieder darauf schauen und hinspüren, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind.

Nun zu Lughnasad, dem Schnitterfest, wie es auch genannt wird, müssen wir die Entscheidung treffen, ob wir "ernten" wollen. In der Landwirtschaft stellt sich tatsächlich die Entscheidung ernten oder stehen lassen und hinsichtlich des Wetters kann eine "falsche" Entscheidung fatale Folgen haben. Aber auch "zusagen oder das Angebot ablehnen", "das Projekt abschließen oder weitere Arbeitsstunden investieren", "in der Beziehung bleiben oder gehen", "weiter in der Wohnung bleiben oder in ein Haus ziehen", "Arbeitsstelle behalten oder kündigen"...ja oder nein.

Es geht darum die Fülle, die gewachsen und gereift ist, wahrzunehmen, zu ehren und zu spüren, dass es eine klare, bewusste und selbstverantwortliche Entscheidung FÜR etwas braucht und die energetische Jahreskreisqualität uns nun im Treffen dieser Entscheidungen unterstützt. In diesem Sinne zieht nun die rot-schwarze Göttin als Schnitterin mit ihrer Sichel über das Land und entscheidet, was lebt und was geerntet werden kann, oder was abgeschnitten, durchtrennt werden muss. Daher auch der Name Schnitterfest.

Wer sich weigert eine Entscheidung zur gegebenen Zeit zu treffen, bleibt stehen und blockiert sich selbst, andere, den Fluss des Lebens und die Natur. Sich bewusst für etwas zu entscheiden, öffnet neue Wege, neue Türen, das Rad dreht sich weiter. Sich zu entscheiden, macht frei. Zugleich ist es eine Anerkennung dessen, was zuvor geleistet wurde und man bringt es nun zum Abschluss.

Gleichzeitig geht es auch darum die eigenen Grenzen und die seiner Umgebung wieder bewusst wahrzunehmen, zu überprüfen und gegebenenfalls nachzujustieren. Denn nur wer seine eigenen Grenzen und die der anderen kennt und respektiert, sich seines eigenen Raumes bewusst und in seiner Mitte ist, hat genügend Platz, um sich mit Entscheidungsprozessen auseinandersetzen zu können.

Das ist es was dieses Fest so einzigartig, besonders und auch etwas kompliziert macht. Zudem ist es ein weniger bekanntes Fest, vielleicht weil es uns Menschen oft nicht so leicht fällt Entscheidungen zu treffen. Nur zu gerne winden wir uns aus solchen Prozessen heraus, überlassen sie vielleicht sogar anderen oder dem Schicksal, wenn man so will. Doch wer wirklich erwachsen werden will und ein selbstbestimmter, aktiver Mensch sein möchte, muss irgendwann lernen, wie man solche Entscheidungen trifft und zu ihnen steht.

So wollen wir gemeinsam dieses Fest feiern, die Fülle, das Wachsen und unsere Arbeit ehren und schätzen, und uns bewusst für UNSEREN weiteren Weg entscheiden. Mit Meditation, Gesang, Tanz und was auch immer Platz finden soll, wollen wir dieses Fest begehen.

Ich freue mich auf euch!

Eure Gudrun

Zurück