von Gudrun Trinker

Wintersonnenwende

Wir sind nun in der tiefsten Dunkelheit angekommen und mit großen Schritten gehen wir auf das Julfest, die Wintersonnenwende, zu.

Alles Leben in der Natur hat sich nun tief in den Bauch von Mutter Erde zurück gezogen. Rastet, ruht, um Kraft zu sammeln für ein neues Erdenrund. Im besten Fall hat sich eine schützende Schneedecke wie ein Mantel über die Welt gebreitet, um den Boden vor allzu großem Frost zu schützen. Es ist eine besondere Zeit, die weiße Pracht hüllt die Welt in einen zauberhaften Schimmer, und trotz der intensiven Dunkelheit scheint es, als wäre es heller, strahlender. Wir teilen nun unsere Gaben mit der Natur, helfen den Vögeln und Kleinsäugern gut über den Winter zu kommen. Ich persönlich liebe es, den Vögeln des Waldes zuzusehen, wie sie ganz flink in den Vogelhäuschen aus- und einfliegen. Besser als jedes Fernsehprogramm ;-) Auch das ein oder andere rote oder schwarze Eichhörnchen ist dankbar für die Nüsse, die ich bereitgestellt habe.

Eine Stille senkt sich über die Welt und lädt uns ein, es ihr gleich zu tun. Bereits zu Samhain war die fortschreitende Dunkelheit merklich spürbar und wir haben uns für den Weg in die Nacht vorbereitet. Jeder von uns hat nun bereits mehrere Wochen dieses Weges hinter sich. Manch einer hat ihn genutzt, um ruhig zu werden, nach innen zu schauen, um "einwendig" zu werden, wie es so schön heißt. Manch einer hat vielleicht versucht, sich mit dem Wesen der Dunkelheit anzufreunden, versucht zu erkennen, wie wundervoll geborgen und behütet wir uns in der Dunkelheit fühlen dürfen. Alles Leben entsteht in der Dunkelheit. Im geschützten Mutterleib wächst Leben heran, im Schlaf darf sich unser Körper regenerieren und erholen, Krankheiten heilen am besten im Schlaf, sprich in der Dunkelheit.

Doch die Dunkelheit fördert auch unsere Schatten ans Licht. Seelenanteile, die wir nur zu gerne verstecken, drängen an die Oberfläche, wenn es im Außen ruhig und dunkel wird. Nur allzu oft wollen wir diese Anteile mit Lärm und Aktionismus überdecken. Doch die dunklen Seelenanteile, die Schatten, gehören genauso zu uns, wie das Lichtvolle. Licht und Schatten gehören zusammen. Erst ihre Gemeinsamkeit macht uns ganz, macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Und es ist gut so, wie wir sind. Trauen wir uns hinabzusteigen in die Dunkelheit, im Vertrauen darauf, dass Mutter Erde uns trägt und hält. Trauen wir uns Stück für Stück Licht ins Dunkel zu bringen und das volle Potential unseres Seins zu entfalten, diesen wundervollen Schatz, der auf dem Grund unserer Seele verborgen liegt, zu heben. Diesen Schatz, der uns erlaubt, all unsere Talente, Fähigkeiten, unser ICH BIN so zu zeigen wie es ist. Was für ein Traum, sich nicht mehr verstecken zu müssen. Träumt einmal so wie ich ;-)

Am 21. Dezember, am Tag der Wintersonnenwende, wenn die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht hat, passiert die Wende. In der längsten und tiefsten Nacht wird das Licht neu geboren. Was für eine überwältigende Freude und Hoffnung dürfen wir durch dieses Ereignis erfahren! Wie wundervoll!! Es darf uns Menschen die Hoffnung geben, dass selbst in der größten Dunkelheit, in der schlimmsten Krise, es irgendwann wieder Licht wird. Wir dürfen es auch als Erinnerung daran nehmen, dass es gerade die dunklen Zeiten sind, die uns wachsen und reifen lassen. Drei Tage steht die Sonne auf ihrer Bahn nun still, bis sie am 24. Dezember beginnt, wieder höher zu steigen. Just an dem Tag, an dem die Menschen die Geburt des Christuskindes, Weihnachten, feiern. Blicken wir an diesem Tag in den Sternenhimmel, können wir erkennen, dass genau jetzt das Sternbild der Jungfrau am Firmament erscheint. Phänomenal!!!

Die Geburt des Lichtes, des Lichtkindes, des Christuskindes!

Mit der Wintersonnenwende, dem Julfest, beginnen für viele Menschen auch die Raunächte, die Zwölften. Eine mystische, magische Zeit, die Zeit zwischen den Jahren, in denen wir viel orakeln und die Schicksalsfäden für das neue Jahr weben können. Eine wundervolle Zeit, funkelnd, wie mit Silber- und Goldfäden durchzogen, geheimnisvoll.

Gemeinsam wollen wir zur Wintersonnenwende die Dunkelheit schauen, und uns des neugeborenen Lichtes freuen, das Hoffnung und Liebe in die Welt bringt. Lasst uns glitzern :-)

Ich freue mich auf euch!

Eure Gudrun

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