von Gudrun Trinker
Imbolc
Wenn die Tage langsam und stetig dem Licht entgegen streben, betreten wir den Schwellenraum von Imbolc. Diese Jahreszeit bringt, wie die ersten zähen Schneeglöckchen, die sich durch die gefrorene Erde drängen, eine kraftvolle Mischung aus Hoffnung und Heilung.
Mit dem Fest Imbolc, das wir rund um den 2. Vollmond nach der Wintersonnenwende datieren, feiern wir die Wiederkehr des Lichtes. Nach einer langen Zeit der Dunkelheit und der Kälte wird das Zunehmen der Sonne immer mehr erleb- und spürbar. Besonders in früherer Zeit, in der die Menschen noch viel mehr als heute mit der Natur lebten, wurde dieses Fest als ein Neubeginn gefeiert. Aber auch heute noch spielt die Wiederkehr des Lichtes für viele Menschen eine bedeutende Rolle. Auch für mich ist Lichtmess, wie es im christlichen Glauben bezeichnet wird, ein besonderes Fest. Ab Mitte November fällt in unserem schönen Zuhause im Wald kein Sonnenstrahl mehr durch's Fenster, da die Sonnenbahn hinter den Bäumen bleibt. Rund um Imbolc ist es dann soweit, langsam aber stetig blinzelt immer öfter ein Strahl durch die Bäume und bringt das ersehnte Licht zurück.
Auch in den Städten dringt oft monatelang kein Sonnenstrahl durch die tiefen Häuserschluchten.
Mutter Natur zeigt sich zu dieser Jahreszeit meist noch in eine dicke Schneedecke gehüllt und die Temperaturen bleiben meist rund um den Gefrierpunkt. Dennoch, ganz unbemerkt und leise, beginnt es sich tief im Bauch von Mutter Erde zu regen. Ganz behutsam und langsam erwachen die Samen, die tief in der Erde liegen und beginnen vorsichtig in Richtung Licht zu wachsen. Die Säfte steigen langsam wieder nach oben. Nur so kann es sein, dass Birke und auch Hasel bei frühen warmen Temperaturen bereits Ende Februar/Anfang März blühen.
Neben der Wiederkehr des Lichtes, ist es vor allem die Reinigung und Vorbereitung auf den Neubeginn, die bei diesem Fest in den Mittelpunkt rückt. Nach Monaten in der winterlichen Enge und Kälte der Häuser, wollten die Menschen sich und ihr Vieh von den belastenden Energien, die sich angesammelt haben, reinigen. Damals wie heute macht es durchaus Sinn zu schauen, welche Energien, Menschen, Dinge, Projekte usw. möchte ich abstreifen, bereinigen und was möchte ich mit hinein in den Neubeginn nehmen. Nicht ohne Grund wurden Mensch und Vieh mit Weiden- oder Birkenzweigen abgestrichen, um diese Energien loszuwerden.
Mit dem Neubeginn wollen wir auch einen Blick in die Zukunft wagen und die Samen, die wir zum Julfest gesetzt haben, versuchen zu stärken. Ist von dem, was wir uns erträumt haben, bereits etwas spürbar? Imbolc ist eine Zeit des inneren Erwachens. Es ist Zeit, die Samen der Absicht zu nähren, die in den dunkelsten Monaten gepflanzt wurden, uns um unser inneres Licht zu kümmern und es intensiver leuchten zu lassen. So wie die Tage länger werden, möge unser inneres Licht stärker werden und unseren Weg mit Klarheit und Zielstrebigkeit erhellen.
Mit Tanz, Gesang, Meditationen und viel Licht wollen wir dieses Fest begehen und gemeinsam den Neubeginn und die Wiederkehr des Lichtes feiern.
Ich freue mich auf euch!
Eure Gudrun